Mord all'arrabbiata

Krimi (cozy crime)
Cover Mord all'arrabbiata von Beate Boeker Florentinische Morde 3 cozy crime Italien
Florentinische Morde #3

Carlinas unbeliebter Cousin Valentino ist nach langem Auslandsaufenthalt wieder zurück in Florenz und macht nur Ärger. Als er eines Abends erstochen aufgefunden wird, ist niemand überrascht, denn der Banker hatte viele Feinde. Commissario Stefano Garini, inzwischen offiziell Carlinas fester Freund, ist wenig erfreut. Er würde am liebsten die Beine in die Hand nehmen und vor dem neuen Fall im Mantoni-Clan flüchten. Doch sein Chef kann keinen anderen Mitarbeiter entbehren. Während Stefano mit grimmiger Entschlossenheit versucht, die widersprüchlichen Hinweise zum Mord zu ordnen, mischen sich die Mantonis in die Ermittlungen ein und machen alles nur noch schlimmer. Schließlich begreift der Commissario, dass nicht einmal Carlina ihm die ganze Wahrheit erzählt. Ihre Beziehung scheint zum Scheitern verurteilt, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Und noch immer läuft ein Mörder frei herum …
 

Reviews

Ein verrückter Krimi aus Florenz

Ich kenne die beiden ersten Bände dieser Serie nicht (was sich aber bald ändern wird!), fand mich aber trotzdem problemlos von Anfang an in die Handlung ein.
Die Geschichte um die Familie Mantoni, deren unbeliebter Neffe bzw. Cousin ermordet wurde, wird sehr frisch und mitreißend erzählt. Problematisch wird der Todesfall nämlich, weil der Tote in der Wohnung seiner Cousine Carlina gefunden wird, die wiederum mit dem Commissario liiert ist. Also beschließt die Familie kurzerhand, den Toten vor die Haustür zu legen ... und als dann Carlinas Freund die Ermittlungen gegen seinen Willen übernehmen muss, sieht er sich den verrücktesten Geschichten gegenüber.
Der Schreibstil von Beate Boeker ist dabei so unterhaltsam, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

DTL

Unterhaltsam, humorvoll und spannend

Meine Meinung:
Vor einiger Zeit hatte ich das Buch "Amore Mortale" gelesen, das die Autorin geschrieben hatte und deshalb freute ich mich, nun die nächste Folge lesen zu können.
Carlina und Stefano sind inzwischen so richtig befreundet und gelten in dem Mantoni-Clan als Paar. Das allerdings führte zu Problemen, als Carlinas Cousin ermordet aufgefunden wurde. Commissario Stefano Garini musste sich um den Fall kümmern, obwohl er ihn zu gerne abgegeben hätte. Denn die Familie ist ein besonderer Fall für sich und ich hatte wirklich sehr viel Spaß, alle zu beobachten. Ich möchte natürlich nicht zu viel vom Inhalt verraten, nur den kleinen Hinweis geben, dass die Familie etwas besondere Ansichten hat und es dem Commissarion und mir nicht leicht machte, den Fall zu lösen. Zumindest hatte ich auch jede Menge Verdächtige.

Fazit:
Unterhaltsam, humorvoll und spannend, so empfand ich diesen Krimi. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und ich freue mich auf weitere Folgen, die es bestimmt geben wird.

Ulla L.

»Happy birthday to you! Haaaaaappy birthday toooooo youuuuu.«

Carlina betrachtete die Gesichter ihrer Familie mit einem unguten Gefühl, während sie das Lied für ihren Cousin Ernesto sangen. Es war das erste Mal, dass Stefano Garini sie zu einem Familienfest begleitete, und ihr war klar, dass sie damit eine deutliche Aussage zu ihrer Beziehung gemacht hatte. Sie erinnerte sich gut daran, wie die Augen aller Mantoni-Familienmitglieder bei der Neuigkeit wissensdurstig aufgeleuchtet hatten. Wahrscheinlich war es mittlerweile schon in ganz Florenz bekannt.

Aus dem Augenwinkel beobachtete sie Stefano. Er sang ohne ersichtliche Gefühlsregung mit, die Schulter gegen den Rahmen der Küchentür gelehnt. Sogar wenn man ihn gut kannte, war es schwierig, seine Gedanken aus seinem normalerweise unbeweglichen Gesicht abzulesen. Vielleicht lag es daran, dass er als Kommissar bei der Mordkommission arbeitete und es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, seine Gefühle hinter einer Maske zu verbergen. Nein, eigentlich nicht. Carlina schüttelte den Kopf. Diese Zurückgezogenheit und Unabhängigkeit waren tief in seiner Persönlichkeit verankert, vermutlich durch seinen Job verstärkt, aber nicht von ihm hervorgerufen.

In diesem Augenblick wandte er den Kopf. Ihre Blicke trafen sich.

Carlinas Herz schlug einen Purzelbaum. Wie konnte ich glauben, dass er ein unbewegliches Gesicht hat?

Der Ausdruck in seinen Augen wurde weich. Er legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich.

Carlina fühlte sich, als ob ein plötzlicher Sonnenstrahl die Küche erleuchten würde, obwohl an diesem kühlen Frühlingstag die Wolken draußen tief hingen.

»Happy birthday, dear Ernestoooooooo, haaaappy birthday toooo youuu!« Die Familie schwappte wie eine Welle nach vorne, und einer nach dem anderen umarmte Ernesto, bis man von ihm nichts als seine leuchtend roten Haare sah.

Am anderen Ende des Raumes machte Carlinas Großonkel Teo besänftigende Armbewegungen. »Pscht! Nun seid mal alle leise!« Er sah nicht besonders beeindruckend aus, da er klein und runzelig war und seine weißen Haare in Büscheln vom Kopf abstanden, aber er war exquisit gekleidet und strahlte eine ruhige Autorität aus, die seinen Status als Patriarch der Familie verdeutlichte. In der folgenden Stille hörte man nur Annalisa, Ernestos um ein Jahr ältere Schwester, leise kichern.

Onkel Teos milchige Augen leuchteten. »Heute, zur Ehre von Ernestos achtzehntem Geburtstag, habe ich zwei Überraschungen für euch!«

Aufgeregtes Stimmengewirr brach aus.

»Ruhe, bitte.« Onkel Teo genoss seinen Augenblick im Rampenlicht. »Eine der Überraschungen kommt ein wenig zu spät.« Er schaute auf seine goldene Armbanduhr. »Die andere ist allerdings jetzt schon da!«

Carlina blickte sich um. Sie konnte nichts Außergewöhnliches feststellen, wenn man davon absah, dass Benedettas Wohnung mit Familienmitgliedern überfüllt war.

»Ich präsentiere euch … das magische Duo!« Onkel Teo warf die Arme in die Luft.

Carlina unterdrückte ein Lachen. Ihr Großonkel sah aus wie ein Zirkusdirektor, der seine Starnummer ankündigte.

Ernesto riss die Augen auf und schaute sich voller Interesse im Raum um. »Was ist es?« Sein gegeltes Haar stand vom Kopf ab wie lauter kleine Flammen.

»Das … magische … Duo!«, wiederholte Onkel Teo mit dröhnender Stimme. Er stolzierte zur Balkontür und warf sie weit auf.

Auf dem schmalen Balkon standen zwei Frauen, beide mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Sie hatten die Hände hinter ihren Rücken versteckt und waren beide in schwarze Hosen sowie enge rote Oberteile gekleidet, aber davon abgesehen waren sie so verschieden, wie es zwei Frauen nur sein konnten. Die kleinere hatte einen Mund wie eine Rosenknospe und zerzauste Locken, die sie wie eine Puppe aussehen ließen, während die größere mit ihrer beeindruckenden Oberweite und ihren breit aufgestellten Füßen an eine Wikingerin erinnerte.

»Wer ist das?« Garini beugte seinen Kopf zu Carlina.

»Die Kleinere ist Maria. Sie lebt zwei Häuser weiter unten in der Straße und kommt regelmäßig zum Putzen.«

»Und die Große?«

»Das ist Simonetta, die Freundin von einer Cousine zweiten Grades.« Carlina lächelte Simonetta an. »Sie lebt im Moment bei meiner Mutter, weil sie Opernsängerin ist und hier in Florenz gerade eine Zusatzausbildung macht.«

»Das magische Duo!« Onkel Teo hatte offensichtlich Spaß an seiner Rolle als Zirkusdirektor. Er zog den hellgelben Vorhang vor der Balkontür zur Seite und ein Ghettoblaster erschien. Mit einer weit ausholenden Geste schaltete er ihn ein und ein Zirkusmarsch erklang.

Wie auf Befehl zogen die beiden Frauen ihre Hände mit Jonglierbällen hinter den Rücken hervor und fingen an, wie Profis zu jonglieren.

Innerhalb von zwei Minuten öffneten sich die Fenster in den Nachbarschaft und die Leute lehnten sich heraus, um die Show von der Seite mit anzusehen. Der Abstand zwischen den historischen Häusern auf der Via delle Pinzochere war so schmal, dass sie einen wunderbaren Blick hatten.

Maria und Simonetta warfen sich die Bälle gegenseitig zu und fingen sie in so raschem Tempo, dass sie wie ein bunter Schweif aussahen.

Auf dem Kopfsteinpflaster unten hielt eine Gruppe von Japanern an und dokumentierte jede Sekunde mit hochmodernen Kameras. Ein Mann sprach in schnellem Japanisch in ein Mikro, vermutlich, um den genauen Zeitpunkt und den Ort dieser unvorhergesehenen Show zu dokumentieren.

»Wow.« Ernesto grinste und boxte gegen den Arm seines besten Freundes Rafaele, der direkt neben ihm stand. »Die halbe Stadt ist in Aufruhr, weil ich Geburtstag habe.«

Rafaele nickte. »Ich bin beeindruckt«, sagte er auf seine ruhige Art.

»Rafaele kann man nicht aufregen«, sagte Carlina mit leiser Stimme zu Garini. »Er ist der ruhigste Typ, den ich je gesehen habe, und er ist erst achtzehn. Ich frage mich, wie er sein wird, wenn er mal älter ist. Ein Fels, vermutlich. Ich habe gehört, dass das in der Familie liegt. Die Altoris sind anscheinend alle so.«

Garinis Lippen zuckten.

In diesem Augenblick schlugen die Glocken der Basilica di Santa Croce zur vollen Stunde und schufen ein seltsames Medley mit der fröhlichen Zirkusmusik.

Carlina bekam eine Gänsehaut. Eine seltsame Vorahnung erfüllte sie mit dem Gefühl einer nahenden Gefahr. Sie runzelte die Stirn und versuchte, es abzuschütteln. Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr war das Familienhaus in Florenz ihr Zuhause. Die Glocken erinnerten Carlina an ihre Teenagerzeit, geprägt vom Verlust ihres Vaters und dem Umzug aus Amerika. Sie hatte ihren Klängen gelauscht, als sie sich langsam an diese neue Welt gewöhnt hatte. Nach einiger Zeit hatten sie sie beruhigt, weil sie ihr das Gefühl gaben, dass zumindest manche Dinge sich nicht änderten und über die Jahrhunderte gleich blieben. Warum überlief sie dann jetzt ein kalter Schauder? Sie würde noch wie ihre Mutter werden, die an jeder Wegbiegung eine unbestimmte Katastrophe erwartete, selbst in der Mitte einer fröhlichen Geburtstagsfeier.

Die Musik kam zu einem krachenden Finale. Maria und Simonetta fingen die Bälle auf und verbeugten sich vor dem Publikum im und vor dem Haus.

Von allen Seiten kam Applaus.

Carlinas Mutter Fabbiola warf sich auf sie und umarmte beide zur gleichen Zeit, während ihr eine Strähne des hennaroten Haares in die Stirn fiel. »Meine Lieben! Ich hatte ja keine Ahnung, dass ihr so versteckte Fähigkeiten habt! Ihr wart wunderbar!«

Bevor irgendjemand antworten konnte, flog die Küchentür auf.

Onkel Teo fuhr herum und hob beide Hände wie ein Prophet auf dem Berg. Das Lächeln auf seinem runzligen Gesicht wurde noch breiter. »Und hier«, sprach er laut und deutlich, »ist meine zweite Überraschung!«